Es geht darum, auf politischer Ebene für mehr Gerechtigkeit einzutreten

Ewald Gaden, VHS Speyer

Welche Bedeutung hat für Sie der Faire Handel?

Beim Fairen Handel geht es nicht nur um den Warenhandel, sondern es geht auch darum, auf politischer Ebene für mehr Gerechtigkeit einzutreten. Zwar ist der Faire Handel nicht die Lösung für alle Probleme dieser Welt, aber er bietet benachteiligten Produzenten eine Möglichkeit, ihre Produkte unter fairen Bedingungen zu vermarkten. 

 

Wie unterstützen Sie konkret den Fairen Handel in Speyer?

Als Bildungseinrichtung ist es uns wichtig für das Thema des fairen Handel zu sensibilisieren, damit der Verbraucher/die Verbraucherin gut informiert Kaufentscheidungen treffen kann. Seit Beginn der Kampagne "Speyer fairwandeln" ist die Bildungseinrichtung Villa Ecarius aktiv in der Steuerungsgruppe vertreten. Wir unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit der Kampagne - z.B. durch den Dreh eines Kurzfilms-  und bieten Vorträge, Kurse und Aktionen -  Buchausstellungen in der Stadtbibliothek - zum Thema fairen Handel an.

Der Beginn der Gerechtigkeit

Julian Jardelot, Ruanda-Verein Speyer

Fairtrade ist ein Anfang, in unserer Welt mehr Gerechtigkeit zu stiften und gegenüber den Ländern des Südens eine nachhaltigere Entwicklung zu ermöglichen. Je mehr Fairtrade-Produkte auf dem Markt sind, desto mehr können wir entscheiden, wie wir in der Zukunft konsumieren wollen: unser Verbrauch sollte gerechter, umweltfreundlicher und transparenter werden. Gerade weil wir uns mit den Menschen in Ruanda sehr verbunden fühlen, zählen für uns insbesondere ein gerechteres Wirtschaftssystem, die Menschlichkeit und der globale Gemeinschaftssinn!

Der Freundeskreis Ruanda unterstützt Fairtrade, indem wir ruandischen Kaffee und Tee aus fairem Handel bei unseren Aktionen anbieten und verkaufen. Über unsere Aktionen informieren wir unsere Mitglieder, Freunde und Sponsoren über Pressemitteilungen, Flyers und Emails.

Gutes Gewissen durch fairen Handel

Betül Mis, Jugendstadtrat und HPG

Wir als Jugendstadtrat haben bisher nichts aktiv für den fairen Handel gemacht. Aber für die Zukunft kann der Jugendstadtrat mit dem Fairtrade-Projekt durchaus kooperieren. Wir haben uns noch nicht auf ein Projekt geeinigt, aber können uns vorstellen Teilaufgaben dieses Projektes zu übernehmen. Das Projekt mit der fairen Schokolade in Form einer Wanderausstellung in Speyer wäre zum Beispiel bestimmt etwas, was die Jugendlichen und den Jugendstadtrat interessieren könnte.

Mir geht es darum, dass die Kinder nicht mehr leiden, weil wir uns vom Armutszeugnis der Kinder bereichern lassen, indem wir mit gutem Gewissen Dinge wie Kleider und Schokolade konsumieren. Ich würde gerne die Bevölkerung dafür sensibilisieren, diese sollen verstehen, welche Menschen darunter leiden. Albert Einstein hat einmal etwas Schönes gesagt: „Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.“ Das trifft hier sehr gut zu, denn wir sagen immer: Die Welt entwickelt sich immer weiter, aber wir wissen gar nicht, dass Kinder und Erwachsene dafür arbeiten müssen, die keine gerechten Löhne bekommen.

Politik mit dem Einkaufskorb

Cordula Hamburger für Weltladen Speyer

Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbeziehungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen - insbesondere in den Ländern des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit den VerbraucherInnen - für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Handels.

In diesem Kontext steht unsere Arbeit im Weltladen Speyer. Politik mit dem Einkaufskorb - der Weltladen bietet ein vielfältiges Angebot fair gehandelter Produkte von Lebensmitteln über Kunsthandwerk bis hin zur Kleidung. Als außerschulischer Lernort bietet der Weltladen Möglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zur Bewusstseinsbildung. In Zusammenarbeit mit den beteiligten Gruppen und Menschen für die "Fairtrade-Stadt Speyer" versuchen wir, die Idee des Fairen Handels weiter in die Gesellschaft zu tragen. (FINE-Grundlagenpapier zum Fairen Handel, 2001)

So stark wie das schwächste Glied

Pfarrer Matthias Bender, Dompfarrei

Mir persönlich ist es sehr wichtig, weil ich den Gedanken habe, dass der Mensch auch Teil einer Güterkette in der Produktion ist, und ich darauf schaue, wer sich an den verschiedenen Prozessen beteiligt. Ich frage mich, ob da jeder zu seinem Recht kommt, und bin der Meinung, dass die Kette nur so stark ist wie das schwächste Glied. Uns in der Domgemeinde und in St. Konrad sind in der Besinnung auf das Evangelium die Gerechtigkeit sowie die Solidarität sehr wichtig und daher unterstützen wir den Fairen Handel.

Einerseits waren wir in der Steuerungsgruppe in Speyer vertreten und versuchen auch bei uns soweit wie möglich fair gehandelte Produkte zu nutzen. Zusätzlich gibt es 'Eine Welt-Projekte', beispielsweise in Brasilien und Namibia, die wir unterstützen. Persönlich achte ich vom Anziehen bis zum Essen auch darauf, welche Stoffe woher kommen, und informiere mich darüber.

Gerechtigkeit und Fairness mit Fairem Handel

Dekan Markus, evangelische Kirchengemeinden

Ich finde es sinnvoll und wichtig, mit dem Fairen Handel einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in Bezug auf Handels- und Arbeitsbedingungen in der Welt zu leisten. Gerechtigkeit und Fairness sind Teil unserer christlich-ethischen Wertmaßstäbe. Als Kirche und als Christen sollten wir das unsere dazu tun, diesem Anliegen Rechnung zu tragen.

Als Gedächtniskirchengemeinde haben wir schon seit längerem Fairtrade-Kaffee eingeführt. Bei der Mahlzeit wird ebenfalls FairTrade-Kaffee gereicht. Auch andere Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Speyer unterstützen den Fairen Handel.

Die Verbesserung der Lebens - und Arbeitsbedingungen von Arbeitern weltweit ist unser zentrales Anliegen

Helma RIESER, KAB

Die KAB St. Hedwig - St. Otto in Speyer unterstützt den Fairen Handel seit 1990. Vor und nach den Gottesdiensten verkauft unsere Gruppe in St. Hedwig Fair Trade – Produkte. Unser Bestreben ist, dass die Fair Trade – Produkte sowohl im Pfarrbüro als auch an Pfarrfesten angeboten werden. Während dem Verkauf der Produkte informieren wir über Fair Trade in der Stadt Speyer. Zurzeit beschäftigen wir uns mit dem Missionsprojekt der Pfarrei St. Hedwig „Kindergarten am Müllberg“ in Rondonopolis, Brasilien. Unterstützt wird das Projekt durch Pfarrer Bernhard Linvers i. R., der unser Präses in der Ortsgruppe St. Hedwig – St. Otto ist.

Bereits zu Beginn der 60iger Jahre haben sich die CAJ  (Christliche Arbeiterjugend) und die KAB (Kath. Arbeitnehmer Bewegung) in der Diözese Speyer Projekten in Indien angenommen, die eine qualifizierte Ausbildung von Arbeitern zum Ziel hatten. So war es selbstverständlich, den Eine Weltladen in Speyer im Hinblick auf Solidarität und Gerechtigkeit zu unterstützen, um für ein gutes Leben und fairen Lohn der Landarbeiter und Landarbeiterinnen Sorge zu tragen. Der Bundesverband der KAB hat in den vergangen Jahren darüber hinaus nachhaltiges Wirtschaften, das eng mit dem Thema Fair Trade verbunden ist, mit unterschiedlichen Leitthemen aufgegriffen:

2011 „Nachhaltig leben & arbeiten“;   2012 „Klug kaufen“;

2013 „Richtig steuern“;   2014 „Sinnvolles Leben für Alle“

Ich finde es wichtig, dass man sich engagiert

Lena Kliegl, FC 09 Sportverein Speyer  

Beim FC 09 Sportverein Speyer spielen wir mit Fair Trade Fußbällen, davon haben wir ganz viele.

Es geht um die Behandlungen von einzelnen Menschen. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch gut behandelt werden muss und auch genug Geld zum Leben haben sollte. Jeder Mensch sollte genug haben, sodass er seine Familie ernähren kann. Für mich hat dies einen sehr großen Wert, ich stelle mir nämlich immer vor, wie es wäre, wenn ich dort leben würde, mein Vater arbeiten müsste und nicht bei uns wäre. Außerdem finde ich es wichtig, dass man sich engagiert und es sollte mehr soziale Menschen geben, die sich Mühe geben und denen klar ist, dass sie es hier besser haben und auch einen Teil in Fairtrade-Aktionen stecken könnten.

Menschen dürfen nicht ausgebeutet werden

Huyen Nguyen, interessierte Bürgerin

Für mich ist es von grundlegender Bedeutung, dass Menschen nicht ausgebeutet werden. Daher möchte ich auf Fair Trade aufmerksam machen um zu zeigen, dass es eine Möglichkeit gibt, mitzuwirken und zu handeln. Unser Konsum und unsere Wirtschaft sind global vernetzt, doch es existiert eine ungerechte Verteilung von Kapital d.h. dass die Lebensqualität und der wirtschaftliche Reichtum der Industrieländer zum großen Teil auf der Ausbeutung von weniger entwickelten Ländern beruhen. Fair Trade zeigt Wege auf neue Strukturen zu schaffen, um den globalen Handel gerechter zu gestalten. Ich möchte mithelfen und etwas daran tun, Schritt für Schritt können wir etwas verändern!

Ich finde, dass man schrittweise auf jeden Fall einige Fair Trade Produkte im Gegensatz zu konventionellen Produkten einkaufen kann. Als Studentin versuche ich beispielsweise immer fair gehandelte Schokolade und Tee einzukaufen, ansonsten informiere ich auch im Freundes-und Bekanntenkreis über den Unterschied zwischen den Produkten.

Wir wollen die Menschen vor Ort unterstützen

Christoph Ritter, Firma SchwerdTrade

Für uns ist der faire Handel sehr wichtig, weil wir versuchen mit fairen Arbeitsbedingungen und fairen Preisen zu handeln. Demnach wollen wir auch anderen vermitteln, dass man für eine Arbeit einen gewissen Lohn bekommt, der zum Überleben reicht. Preislich macht es schließlich für uns keinen großen Unterschied. Wir können und wollen es uns leisten die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Wir sind sieben Schüler aus der 7.,11. Und 12. Klasse, zwei Lehrkräfte (Frau Hoffmann-Jaberg und Herr Hofmann) und wir betreiben einen Kaffee-Automaten zum Selbstbedienen im Foyer unserer Schule. Seit einem Jahr sind wir aktiv und arbeiten autark, d.h. die Lehrer sind eher begleitend und das meiste geschieht nach der Schulzeit. Wir bemühen uns um eine richtige Firmenstruktur: es gibt also Arbeitsverträge und Abteilungen. Die Hauptaufgabe ist den Automaten neu zu befüllen und ihn zu reinigen. Außerdem suchen wir immer neue Leute, die mitwirken. Wir verkaufen fair gehandelte Produkte wie Cappuccino, Latte Macchiato und schwarzen Kaffee aus Ruanda, sowie Trinkschokolade von der GEPA und beziehen unsere Produkte aus dem Weltladen. Wir streben an noch einen Getränkeautomaten anzuschaffen und haben uns überlegt faire oder zumindest gesunde und regionale Getränke anzubieten.

Das ist unser Ding

Angela Sachweh, BUND

Wir sind der Initiative tief fairBUNDen, weil auch für uns das Leben ohne Kaffee, Tee und Schokolade weniger genüsslich wäre. Da die Rohstoffe leider in unseren Breiten nicht wachsen, regionaler Einkauf also nicht möglich ist, empfiehlt der BUND fair Gehandeltes. Die Produkte sind zwar etwas teurer, sichern jedoch die Existenz der Bauern durch faire Löhne, Gesundheitsschutz und das Verbot von illegaler Kinderarbeit. Waren mit Bio-Siegel verbessern noch zusätzlich den Umweltschutz in den Anbaugebieten – keine Pestizide, schonende Anbaumethoden für den Erhalt natürlicher Ökosysteme. Das ist unser Ding.

Wir achten vor allem privat auf bewussten Konsum – regional, nachhaltig und bio oder eben fair und bio. Persönliches Engagement ist mitreißend! Deshalb kommen nach und nach weitere Fans dazu. Wenn unsere Arbeitgeber mit dem Sitzungskaffee einsteigen, dann wird das die Fairtrade-Stadt Speyer sofort erfahren! Versprochen.